zurück zum Atlas

Stadtshuset, Stockholm

Offizieller Name: Konungariket Sverige – Hauptstadt: Stockholm – Lage: 62° Nord 15° Ost – Fläche: 449.964 km². Bevölkerung: 8.986.400 (Juli 2004) – Kinder im bescherungspflichtigen Alter: 1.570.075 (17,5%), davon 807.193 Jungen und 762.882 Mädchen – Religionszugehörigkeit: lutheranisch 87%, römisch-katholisch, orthodox, baptistisch, muslimisch, jüdisch – Muttersprache: Schwedisch – Währung: 1 Schwedische Krone = 100 Öre – EU-Beitritt: 1995 – Sitze im EU-Parlament: 19. Official designation: Konungariket Sverige, Kingdom of Sweden – Capital: Stockholm – Location: 62° North 15° East – Area: 449,964 km². Population: 8,986,400 (July 2004) – Number of children old enough to receive Christmas gifts: 1,570,075 (17.5%), of which 807,193 boys and 762,882 girls – Religious confession: Lutheran 87%, Roman-Catholic, Orthodox, Baptist, Muslim, Jewish – Native language: Swedish – Currency: 1 Swedish crown = 100 øre – Joined the EU: 1995 – Seats held in EU Parliament: 19.

In den kalten Ländern des Nordens war die Winterzeit vor der Christianisierung eine Zeit der Sehnsucht nach der Rückkehr der Sonne und dem Wiedererwachen der Natur. Die Julzeit der Germanen mit ihren heidnischen Bräuchen hat in viele schwedische Weihnachtssitten Eingang gefunden.

So ist der Julbock, ein aus Stroh geflochtener Steinbock, noch heute ein beliebtes Accessoire unter dem schwedischen Christbaum oder verirrt sich gar als heidnischer Fremdkörper in die Schafherde der Weihnachtskrippe. Am kältesten Tag des Winters werden Julgarben für die darbenden Vögel ausgelegt. Wenn am nächsten Tag die Körner restlos weggepickt sind, dann kann sich die Familie auf ein erntereiches Jahr freuen.

Die Julzeit beginnt traditionell am St.-Lucia-Tag, dem 13. Dezember. Die Heilige Lucia, ein zartes junges Mädchen, soll der Sage nach einst den lebensgefährlichen Weg über hauchdünnes Eis beschritten haben, um den von der Außenwelt abgeschnittenenen Menschen zu Essen und zu Trinken zu bringen und sie so vor dem sicheren Tod zu bewahren. Zu Ehren der Heiligen Lucia zieht ein weißgekleidetes Mädchen, die Lussibrud, an der Spitze einer Prozession durch die Straßen der schwedischen Städte und verkündet so den Beginn der Zeit des Lichts, denn nun werden die Tage bald wieder länger. Auf dem Kopf trägt sie einen Kranz mit brennenden Kerzen. Vielfach wird durch Abstimmung entschieden, welches Mädchen besonders liebreizend ist und diese ehrenvolle Rolle spielen darf. In den Familien jedoch darf jede Tochter einmal Lussibrud sein, und als solche kommt ihr die Aufgabe zu, am frühen Morgen des 13. Dezember die Eltern mit dem Licht ihrer Kerzenkrone zu wecken und ihnen das Frühstück ans Bett zu bringen, darunter auch als besondere Leckerei die süßen Lussekatter (Lucia-Katzen). Die Verehrung dieser Heiligen ist auch in jDänemark und jItalien sehr verbreitet.

Den Trägern des Nobelpreises, die alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels (*1833 †1896), in Stockholm gekürt werden, winkt übrigens ein besonderer Lustgewinn, der mit dem Lucia-Brauch in Zusammenhang steht. Sie werden am Morgen der Preisverleihung nach schwedischer Sitte von einer besonders hübschen Lussibrud auf angenehmste Weise geweckt. Mehrere Nobelpreisträger kommentierten diesen lieblichen Brauch mit dem Hinweis, allein dieser Weckvorgang habe die wissenschaftlichen Mühen gelohnt.

Vor Weihnachten krempeln viele Schweden ihr Haus komplett um. Von Gardinen über Tischdecken bis zu Topflappen gestalten sie alles in roten und weißen Farben. Die Geschenke werden am Heiligen Abend schon recht frühzeitig vom Jultomte, dem schwedischen Weihnachtsmann gebracht. Der Christbaum steht in schwedischen Wohnzimmern übrigens grundsätzlich in der Mitte des Raumes, was einen schlichten praktischen Grund hat, ist es hier doch Sitte, sich zum Höhepunkt des abendlichen Festes bei den Händen zu fassen und singend im Ringelreigen um den Baum zu tanzen. Ein Fenster zur Straßenseite des Hauses wird den ganzen Abend über offen gelassen, denn nicht selten „überraschen“ Freunde und Bekannte einander mit Geschenken, die nächtens dort hineingeworfen werden. Dazu ertönt der laute Ruf: „Juleklapp! Juleklapp!“

Das Fernsehzeitalter hat in wenigen Jahrzehnten schon neue Sitten und Gebräuche begründet. So gehört in Schweden zum Warten auf die Bescherung unerlässlich das Ansehen weihnachtlicher Donald-Duck-Filme hinzu. Dabei hat die schwedische Literatur doch auch eine ganze Reihe wunderschöner Bücher hervorgebracht, mit denen sich Kinder die Wartezeit vertreiben können. Eine sehr zu Herzen gehende Nacherzählung der Weihnachtsgeschichte stammt zum Beispiel von Astrid Lindgren (*1907 †2002): Weihnachten im Stall (1961).

 

Die Julzeit endet am 13. Januar, dem St.-Knuts-Tag, der nach dem dänischen König Knut iv. (*um 1040, †1086) benannt ist. Noch heute werden an diesem Tag in Schweden die Weihnachtsbäume „entsorgt“, indem sie umstandslos aus dem Fenster geworfen werden, ein etwas brachialer Brauch, der auch hierzulande neuerdings durch den Werbefilm eines schwedischen Möbelhauses bekannt gemacht wurde.

In the cold countries to the north, the winter season prior to Christianisation was a time of yearning for the return of the sun and the reawakening of nature. The Julzeit of the Germanic with their pagan customs has found its way into many Swedish Christmas traditions.

 

For example, the Julbock, an ibex woven from hay, remains until this day a popular accessory underneath the Swedish Christmas tree (Christbaum), or goes astray as a pagan token in a flock of sheep in a Christmas nativity scene. On the coldest day of winter Julgarben are laid out for the hungry birds. When all the seeds have been picked clean the next day, the family can look forward to harvests aplenty the next year.

Julzeit starts traditionally on the Day of St. Lucia, December 13. According to legend, Saint Lucia, a delicate young girl, is to have walked a highly dangerous path on very thin ice to bring food and drink to people cut off from the rest of the world, to save them from their sure death. In honour of St. Lucia a girl dressed in white, the Lussibrud, passes at the head of a procession through the streets of Swedish cities and announces the beginning of the time of light, as the days will soon become longer again. Her head bears a crown with burning candles. Very often it is decided which girl is particularly charming and may take on this honourable role. The daughter of every family may play the Lussibrud once only, and in this role it is her task to wake her parents on the morning of December 13 with the light of her crown of candles and to serve them breakfast, including the particularly delightful and sweet Lussekatter (Lucia Cats). The reverence of this Saint is also rather common in jDenmark and Italy.

The holders of the Nobel Prize, which is awarded in Stockholm every year on December 10, the day on which Alfred Nobels (*1833 †1896) died, can enjoy a particular pleasure which is closely related with the Lucia custom. On the morning of the award it is Swedish tradition that they are awoken by a particularly beautiful Lussibrud in the most agreeable of ways. Several Nobel Prize winners commented on this endearing gesture with the note that being awoken in this manner alone was worth the scientific effort.

Before Christmas, many Swedes turn their homes completely upside down. From curtains over table cloths through to oven cloths, they design everything in red and white. The gifts are brought in on Christmas Eve early by Jultomte, the Swedish version of Father Christmas (Weihnachtsmann). The Christmas tree in Swedish living-rooms, by the way, is positioned as a rule in the centre of the room, for practical reasons, as it is customary here to dance around the Christmas tree, holding hands and singing songs, at the highlight of the evening. A window facing the street is left open the entire time, as quite frequently friends and acquaintances ‘drop in’ their gifts by throwing them in over night, while calling: “Juleklapp! Juleklapp!”

The era of television has brought in new customs and habits within a few decades only. In Sweden, waiting for the giving of presents (Bescherung) is linked indispensably with watching Christmassy Donald Duck movies, in spite of the fact that Swedish literature has produced plenty of wonderful books for children to bide their time. A very heart-rending reproduction of the Christmas story was written, for example, by Astrid Lindgren (*1907 †2002): Christmas (Weihnachten) in the Stable (1961).

Julzeit ends on January 13, the Day of St. Knut named after the Danish King Knut IV. (*around 1040, †1086). Even today the Christmas trees are ‘disposed of’ on this very day, a rather brachial custom, which has been widely publicised more recently by a commercial spot of a Swedish furniture store.

 

Zurück | Seite drucken | nach oben