zurück zum Atlas

Turm von Bélem, Bélem


Offizieller Name: Republica Portuguesa – Hauptstadt: Lissabon – Lage: 39° 30' Nord 8° West – Fläche: 92.391 km². Bevölkerung: 10.524.145 (Juli 2004) – Kinder im bescherungspflichtigen Alter: 1.756.680 (16,7%), davon 916.106 Jungen und 840.574 Mädchen – Religionszugehörigkeit: römisch-katholisch 94%, protestantisch – Muttersprache: Portugiesisch – Währung: 1 Euro = 100 Cent – EU-Beitritt: 1986 – Sitze im EU-Parlament: 24. Official designation: Republica Portuguesa, Republic of Portugal – Capital: Lisbon – Location: 39° 30' North 8° West – Area: 92,391 km². Population: 10,524,145 (July 2004) – Number of children old enough to receive Christmas gifts: 1,756,680 (16.7%), of which 916,106 boys and 840,574 girls – Religious confession: Roman-Catholic 94%, Protestant – Native language: Portuguese – Currency: 1 Euro = 100 Cent – Joined the EU: 1986 – Seats held in EU Parliament: 24.


Das Weihnachtsmahl beginnen die Portugiesen erst in den späteren Abendstunden, damit sie die lange Wartezeit bis zur Missa do Galo, der Mitternachtsmesse überbrücken können. Es können dabei die unterschiedlichsten Fleisch- und Fischspezialitäten auf den Tisch kommen – was in jedem Fall nicht fehlen darf, ist der Bacalhau, der Stockfisch. Der gesalzene und getrocknete Kabeljau (dieses deutsche Wort stammt, leicht verdreht, von dem portugiesischen ab) war früher in Portugal ein Arme-Leute-Essen. Heute jedoch, nachdem das Meer erbarmungslos geplündert wurde, muss der Stockfisch aus Norwegen importiert werden und gilt als Delikatesse, die man sich überwiegend an Festtagen gönnt.

Rezept Download:
„original-portugiesischen Bacalhau“
(57,7kb)

Weil am Vormittag des 1. Weihnachtstags schon die nächste Messe, die Missa do Dia de Natal auf dem Pflichtprogramm steht und zum Kochen nicht viel Zeit bleibt, werden an diesem Tagtraditionell die Reste vom Vorabend zerkleinert und mit viel Knoblauch gebraten. Kenner meinen, dies ergebe die köstlichste Speise des ganzen Jahres. Und auch für das Backen des berühmten Bolo de Mel, eines ursprünglich von der Insel Madeira stammenden Honigkuchens, muss man keine Zeit einplanen, denn er wird oft schon ein ganzes Jahr zuvor aus dem Ofen geholt.

In ländlichen Gegenden werden von Laienspielgruppen die Autos de Natal, gereimte Weihnachtsspiele aufgeführt, die das religiöse Geschehen mit sozialkritischen Themen verknüpfen und spezifische Probleme der Region aufs Korn nehmen. So wird das unsoziale Verhalten einzelner Dorfbewohner bloßgestellt und ihr Egoismus der Lächerlichkeit preisgegeben. Diese Tradition ist sehr alt und geht auf heidnische Ursprünge zurück. Besonders aufregend für völkerkundlich interessierte Reisende sind diese Aufführungen in der Stadt Miranda do Douro, denn hier werden die improvisierten Stücke in Mirandês vorgetragen, einer Mundart, die nur noch in dieser Gegend gesprochen wird. Oft werden diese folkloristischen Laienspiele von Tanz und Gesang begleitet.

In den Dörfern des Distrikts Bragança setzen sich junge Männer Masken aus Blech oder Holz auf und verhüllen sich mit Stroh und Fetzen und Streifen aus rotem Stoff. Dann ziehen die Vermummten zum Klang eines Dudelsacks singend durchs Dorf und fordern Almosen ein. Obwohl sich die Lieder, die zu diesem Anlass gesungen werden, auf Weihnachten beziehen, verbirgt sich hinter diesem Brauch eine soziale Kritik.

Ein anderer portugiesischer Brauch kommt zum Dia de Reis, dem Tag der Heiligen Drei Könige zur Geltung. Auch hier ziehen die Kinder von Haus zu Haus, um Backwerk und Süßigkeiten zu erbetteln. Dabei singen sie die uralten Janeirada oder Janeiras. In früheren Zeiten waren das Bittgesänge für die Seelen der Verstorbenen, heute sind es „Jammerarien“, um die Herzen der Lebenden zu Freigebigkeit zu verführen. Wird die Bitte großzügig erfüllt, folgt ein freudiges Danklied – bleiben die Geschenke jedoch aus, wird der Geizige mit einem frechen Spottlied bedacht. Zum Schluss teilen die Kinder alle Geschenke gerecht unter sich auf, die sie unterwegs erhalten haben.

Am Dreikönigsfest, das zugleich das Ende der Weihnachtszeit bedeutet, versammelt sich die ganze Familie noch einmal um den Tisch und verzehrt symbolisch den Bolo-Rei, den schmackhaften Königskuchen, in den ein in Seidenpapier eingewickeltes kleines Geschenk und eine Saubohne mit eingebacken wurde.
Rezept „Bolo-Rei.

Bolo-Rei (Königskuchen)

Rezept Download:
„original-portugiesischen Bolo-Rei“
(57,7kb)


Das Geschenk repräsentiert die Gaben, die die Weisen aus dem Morgenland der Heiligen Familie dargebracht haben; die Saubohne dagegen bedeutet für denjenigen, der sie findet, dass er im nächsten Jahr an der Reihe ist, den Bolo-Rei zu backen.

The Portuguese start their Christmas meal during the later evening hours, only to bridge the long waiting period until the Missa do Galo, or midnight mass. A wide variety of meat and fish specialities are served – the ultimate must in any event is the Bacalhau, or stockfish. The salted and dried cod used to be the food of the poor in Portugal. Today, however, as a result of the over-fishing of the seas, stockfish must be imported from Norway and is considered a delicacy which is enjoyed on festive days.

Stadtansicht, Porto

Because the next mass is already scheduled for the morning of Christmas Day – the Missa do Dia de Natal – and there is not much time for cooking, tradition on this day has it that the leftovers form the evening before are chopped up and fried with a lot of garlic. Connoisseurs are of the opinion that this is the most delicious meal of the entire year. And even when baking the famous Bolo de Mel, a honey cake originating from the Island of Madeira, one need not make time as it is often made a full year in advance.

Recipe Download:
„original-portugiesischen Bacalhau“
(57,7kb)

In rural areas, lay drama groups often perform the Autos de Natal, or rhyming Christmas plays which combine a religious background with social criticism, ridiculing specific problems of the region. The rude behaviour of individual villagers is exposed and their selfishness is laid bare to absurdity. This tradition is very old and has pagan origins. Particularly enticing for travellers interested in ethnology are these performances in the city of Miranda do Douro, which is where the improvised plays are presented in Mirandês, a dialect spoken in this area only. Often these folkloristic lay plays are accompanied by song and dance.

In the villages of the district of Bragança, young men put on masks made of tin or wood and disguise themselves with hay and rags and strips of red cloth. These masked men then roam through the village, accompanied by the sound of bagpipes, singing and demanding alms. Although the songs sung on this occasion refer to Christmas ( Weihnachten), there is social critique behind every one of these traditions.

A further Portuguese custom takes place on Dia de Reis, the day of the Three Wise Men. Here, too, children go from house to house, asking for pastries and candies and singing the ancient Janeirada or Janeiras. In former days these songs of supplication were dedicated to the souls of those who had died; today, they are “wailings“ to seduce the hearts of the living to greater open-handedness. If a request if generously complied with, a happy song of gratitude is sung – if there are no gifts, however, the skinflint is labelled with a cheeky song of mockery. In the end, the children divide all gifts (Geschenke) which they received while en route evenly among them.

On the day of the Three Wise Men which simultaneously marks the end of the Christmas period, the entire family gathers around the table once again and symbolically eats the Bolo-Rei, a tasty cake inside of which a small gift wrapped in tissue paper and a broad bean have been baked...

Recipe Download:
„original-portugiesischen Bolo-Rei“
(57,7kb)

The present represents the gifts which the Three Wise Men from the East gave to the Holy Family; yet the person who finds the broad bean will have to bake the Bolo-Rei next year.

Zurück | Seite drucken | nach oben