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Das Weihnachtsmahl beginnen die Portugiesen
erst in den späteren Abendstunden, damit sie die lange
Wartezeit bis zur Missa do Galo, der Mitternachtsmesse überbrücken
können. Es können dabei die unterschiedlichsten
Fleisch- und Fischspezialitäten auf den Tisch kommen
– was in jedem Fall nicht fehlen darf, ist der Bacalhau,
der Stockfisch. Der gesalzene und getrocknete Kabeljau (dieses
deutsche Wort stammt, leicht verdreht, von dem portugiesischen
ab) war früher in Portugal ein Arme-Leute-Essen. Heute
jedoch, nachdem das Meer erbarmungslos geplündert wurde,
muss der Stockfisch aus Norwegen importiert werden und gilt
als Delikatesse, die man sich überwiegend an Festtagen
gönnt.
Weil am Vormittag des 1. Weihnachtstags
schon die nächste Messe, die Missa do Dia de Natal auf
dem Pflichtprogramm steht und zum Kochen nicht viel Zeit bleibt,
werden an diesem Tagtraditionell die Reste vom Vorabend zerkleinert und mit viel
Knoblauch gebraten. Kenner meinen, dies ergebe die köstlichste Speise des ganzen Jahres. Und auch für das Backen des berühmten
Bolo de Mel, eines ursprünglich von der Insel Madeira
stammenden Honigkuchens, muss man keine Zeit einplanen, denn
er wird oft schon ein ganzes Jahr zuvor aus dem Ofen geholt.
In ländlichen Gegenden werden von
Laienspielgruppen die Autos de Natal, gereimte Weihnachtsspiele
aufgeführt, die das religiöse Geschehen mit sozialkritischen
Themen verknüpfen und spezifische Probleme der Region
aufs Korn nehmen. So wird das unsoziale Verhalten einzelner
Dorfbewohner bloßgestellt und ihr Egoismus der Lächerlichkeit
preisgegeben. Diese Tradition ist sehr alt und geht auf heidnische
Ursprünge zurück. Besonders aufregend für völkerkundlich
interessierte Reisende sind diese Aufführungen in der
Stadt Miranda do Douro, denn hier werden die improvisierten
Stücke in Mirandês vorgetragen, einer Mundart,
die nur noch in dieser Gegend gesprochen wird. Oft werden
diese folkloristischen Laienspiele von Tanz und Gesang begleitet.
In den Dörfern des Distrikts Bragança
setzen sich junge Männer Masken aus Blech oder Holz auf
und verhüllen sich mit Stroh und Fetzen und Streifen
aus rotem Stoff. Dann ziehen die Vermummten zum Klang eines
Dudelsacks singend durchs Dorf und fordern Almosen ein. Obwohl
sich die Lieder, die zu diesem Anlass gesungen werden, auf
Weihnachten
beziehen, verbirgt sich hinter diesem Brauch eine soziale
Kritik.
Ein anderer portugiesischer Brauch kommt
zum Dia de Reis, dem Tag der Heiligen Drei Könige zur
Geltung. Auch hier ziehen die Kinder von Haus zu Haus, um
Backwerk und Süßigkeiten zu erbetteln. Dabei singen
sie die uralten Janeirada oder Janeiras. In früheren
Zeiten waren das Bittgesänge für die Seelen der
Verstorbenen, heute sind es „Jammerarien“, um
die Herzen der Lebenden zu Freigebigkeit zu verführen.
Wird die Bitte großzügig erfüllt, folgt ein
freudiges Danklied – bleiben die
Geschenke
jedoch aus, wird der Geizige mit einem frechen Spottlied bedacht.
Zum Schluss teilen die Kinder alle Geschenke gerecht unter
sich auf, die sie unterwegs erhalten haben.
Am Dreikönigsfest, das zugleich das Ende der Weihnachtszeit bedeutet, versammelt
sich die ganze Familie noch einmal um den Tisch und verzehrt
symbolisch den Bolo-Rei, den schmackhaften Königskuchen,
in den ein in Seidenpapier eingewickeltes kleines Geschenk
und eine Saubohne mit eingebacken wurde.
Rezept „Bolo-Rei.
Das Geschenk repräsentiert die Gaben, die die Weisen
aus dem Morgenland der Heiligen Familie dargebracht haben;
die Saubohne dagegen bedeutet für denjenigen, der sie
findet, dass er im nächsten Jahr an der Reihe ist, den
Bolo-Rei zu backen.
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The Portuguese start their Christmas
meal during the later evening hours, only to bridge the long
waiting period until the Missa do Galo, or midnight mass.
A wide variety of meat and fish specialities are served –
the ultimate must in any event is the Bacalhau, or stockfish.
The salted and dried cod used to be the food of the poor in
Portugal. Today, however, as a result of the over-fishing
of the seas, stockfish must be imported from Norway and is
considered a delicacy which is enjoyed on festive days.
Because the next mass is already scheduled for the morning
of Christmas Day – the Missa do Dia de Natal –
and there is not much time for cooking, tradition on this
day has it that the leftovers form the evening before are
chopped up and fried with a lot of garlic. Connoisseurs are
of the opinion that this is the most delicious meal of the
entire year. And even when baking the famous Bolo de Mel,
a honey cake originating from the Island of Madeira, one need
not make time as it is often made a full year in advance.
In rural areas, lay drama groups often
perform the Autos de Natal, or rhyming Christmas plays which
combine a religious background with social criticism, ridiculing
specific problems of the region. The rude behaviour of individual
villagers is exposed and their selfishness is laid bare to
absurdity. This tradition is very old and has pagan origins.
Particularly enticing for travellers interested in ethnology
are these performances in the city of Miranda do Douro, which
is where the improvised plays are presented in Mirandês,
a dialect spoken in this area only. Often these folkloristic
lay plays are accompanied by song and dance.
In the villages of the district of Bragança,
young men put on masks made of tin or wood and disguise themselves
with hay and rags and strips of red cloth. These masked men
then roam through the village, accompanied by the sound of
bagpipes, singing and demanding alms. Although the songs sung
on this occasion refer to Christmas (
Weihnachten),
there is social critique behind every one of these traditions.
A further Portuguese custom takes place
on Dia de Reis, the day of the Three Wise Men. Here, too,
children go from house to house, asking for pastries and candies
and singing the ancient Janeirada or Janeiras. In former days
these songs of supplication were dedicated to the souls of
those who had died; today, they are “wailings“
to seduce the hearts of the living to greater open-handedness.
If a request if generously complied with, a happy song of
gratitude is sung – if there are no gifts, however,
the skinflint is labelled with a cheeky song of mockery. In
the end, the children divide all gifts
( Geschenke)
which they received while en route evenly among them.
On the day of the Three Wise Men which simultaneously marks
the end of the Christmas period, the entire family gathers
around the table once again and symbolically eats the Bolo-Rei,
a tasty cake inside of which a small gift wrapped in tissue
paper and a broad bean have been baked...
The present represents the gifts which the Three Wise Men
from the East gave to the Holy Family; yet the person who
finds the broad bean will have to bake the Bolo-Rei next year.
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