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Kulturpalast, Warschau


Offizieller Name: Rzeczpospolita Polska – Hauptstadt: Warschau – Lage: 52° Nord 20° Ost – Fläche: 312.685 km². Bevölkerung: 38.626.349 (Juli 2004) – Kinder im bescherungspflichtigen Alter: 6.604.332 (17,1%), davon 3.388.247 Jungen und 3.216.085 Mädchen – Religionszugehörigkeit: römisch-katholisch 95%, orthodox, protestantisch – Muttersprache: Polnisch – Währung: 1 Zloty = 100 Groszy – EU-Beitritt: 2004 – Sitze im EU-Parlament: 54. Official designation: Rzeczpospolita Polska, Republic of Poland – Capital: Warsaw – Location: 52° North 20° East – Area: 312,685 km². Population: 38,626,349 (July 2004) – Number of children old enough to receive Christmas gifts: 6,604,332 (17.1%), of which 3,388,247 boys and 3,216,085 girls – Religious confession: Roman-Catholic 95%, Orthodox, Protestant – Native language: Polish – Currency: 1 Zloty = 100 Groszy – Joined the EU: 2004 – Seats held in EU Parliament: 54.

Die Adventszeit ist im streng katholischen Polen eine Zeit der Läuterung, der Vorbereitung auf das Fest der Heiligen Geburt. Fast jeder geht zur Beichte, viele Gläubige besuchen regelmäßig die Frühmessen, und auch die Fastengebote werden strenger eingehalten als anderswo.

Die Kinder in Polen glauben, dass das Christkind in der wigilia, der Heiligen Nacht aus dem Himmel auf einem Esel zu den Menschen geritten kommt. Deshalb legen sie unbedingt ein wenig Heu unter den Christbaum, damit sich der Esel nach der langen Reise stärken kann und nicht etwa auf die Idee kommt, die Geschenke anzuknabbern.

Schon am frühen Nachmittag drücken sich Kinder an den Fensterscheiben die Nasen platt – aber nicht in Erwartung des Christkinds, denn das bleibt natürlich unsichtbar. Es ist Gwiasdka, der „kleine Stern“, dessen erstem Aufblinken alle mit Ungeduld entgegensehen, denn erst dann darf sich die ganze Familie zu Tisch begeben. Der älteste Mann am Tisch teilt die auf einem Teller gereichte, eckige Weihnachtsoblate unter allen Anwesenden auf, eine Geste der Liebe und Versöhnung und ein Zeichen, dass die Familienmitglieder ihr Leben miteinander teilen wollen. Traditionell eröffnet dann Barszcz, eine Suppe aus roter Beete, die lange Folge der Speisen. Die Hauptgerichte sind etwa Kartoffeln mit Sauerkraut und Pilzen oder in Öl gebratener Karpfen. Den Abschluss bildet der beliebte Mohnstrudel. Angeblich hat das Weihnachtsmahl zwölf Gänge, zur Erinnerung an die zwölf Apostel, aber in wohlhabenden Familien können es oft auch noch viel mehr sein. Unbedingt muss man wenigstens eine Kleinigkeit von jedem Gang probieren, denn an diesem Heiligen Abend soll man allen Früchten der Erde die gebührende Ehre erweisen und keine verachten. So kann das Weihnachtsmahl sich in Polen viele Stunden hinziehen, sehr zum Leidwesen der Kinder, denn die Bescherung beginnt erst, wenn die Tafel aufgehoben wird. Ein Platz, an dem eigens symbolisch eingedeckt wurde, bleibt leer: für den unerwartet eintreffenden, weit gereisten und entsprechend hungrigen Gast, den man fürstlich bewirten würde, wenn er denn jemals käme.

Der ganze Verlauf des Tages vor wigilia ist nach einem alten Aberglauben für das nächste Jahr entscheidend. So vermeidet man zum Beispiel jedes laute und unfreundliche Wort, denn sonst droht das nächste Jahr von Streit und Zank beherrscht zu werden.

Zumindest die Polen sind fest überzeugt, dass die polnischen Weihnachslieder, die koledy, die schönsten der Welt sind. Das vielleicht bekannteste, auch über die polnischen Grenzen hinaus, ist Lulajze Jezuniu, ein Wiegenlied mit langsam kreisendem Dreiertakt, das in neuerer Zeit viele polnische Jazzer und Rocker zu fetzigen Interpretationen inspiriert hat. Damit befinden sie sich übrigens in bester Gesellschaft: Schon Frédéric (alias Fryderyk) Chopin (*1810 †1849) erinnerte sich 1831 im Wiener Exil an das Liedchen und zitierte es rührselig in seinem ansonsten eher heftigen Scherzo Nr. 1 (h-moll, op. 20).


Schlafe, Jesulein

(1) Schlafe, Jesulein, mein kleines Perlchen,
schlafe, mein allerliebstes Kerlchen,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(2) Schließ die Äugelein, vom Weinen gar so schwer,
Schließ die Lippchen, müde vom Schluchzen so sehr,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(3) Süße Waldbeerchen ich unsrem Jesus reiche,
Durchs Mutterherz-Gärtchen ich mit ihm schleiche,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(4) Ich reiche dem Jesus Brot mit Butter so fein,
Und lege ein Püppchen zu ihm in die Wiege hinein,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(5) Schlaf, mein wunderschönes Engelchen,
Schlaf - der Welt trostreiches Blümchen,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(6) Schlaf, allerschönstes Röschen,
Schlaf, sanftestes Lilchen,
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(7) Ich reiche Dir, Jesulein, ein Zuckerbonbönchen,
Rosinchen, Mandelchen - aus meinem Kartönchen
Schlafe, Jesulein, schlaf ein,
Und Du, Mutter, trockne seine Tränlein.

(Aus dem Polnischen von Grazyna Rzepka)




Berühmt ist Polen für die alte Tradition des kunstvollen Krippenbaus, der detailversessenen szopka. Schon im 13. Jahrhundert wurde dieses Kunsthandwerk von den Franziskanermönchen nach Südpolen gebracht. In Krakau entwickelten Krippenbauer diese Kunst zur wahren Meisterschaft. Seit 1937 findet dort jährlich am ersten Donnerstag im Dezember ein großer Krippenwettbewerb statt. Über hundert szopki bewerben sich um den Titel der schönsten Krippe. Die gelungensten Bauwerke werden anschließend im Stadtgeschichtlichen Museum ausgestellt, wo mittlerweile über 170 Exponate zu bewundern sind.

Dass die Polen bei aller christlichen Ehrfurcht auch Humor haben, das sieht man zum Beispiel dem Denkmal des Mikolaj Kopernik (*1473 †1543) in Krakau an: Alljährlich am Nikolaus -Tag wird dem Begründer der modernen Astronomie eine rote Mütze aufgesetz.

In Poland, which is very Catholic, the Advent season is a time of purification, in preparation for the feast of the Holy Birth. Almost everyone goes to confession; many believers regularly visit early mass, and even the Lent commands are adhered to here more strictly than elsewhere.

Warschau bei Nacht

Children in Poland believe that the Christ-child (Christkind) descends to mankind on wigilia, or Christmas Eve, from heaven, on a donkey. This is why they must leave some hay underneath the Christmas tree (Christbaum) so that the donkey (Esel), after the long trip, can strengthen itself and is not tempted to chew the gifts (Geschenke) instead.

In the early afternoon the children are already glued to the windows – but not in anticipation of the Christ-child, as it remains invisible. It is Gwiasdka, the “little star” (Stern) whose first glimmer in the sky is eagerly anticipated, as it is only then that the entire family may seat itself around the table. The eldest man present divides the square Christmas wafer handed on a plate among all those present – a gesture of love and reconciliation and a sign that the members of the family want to share their lives with one another. Traditionally, Barszcz, a soup made of beetroot, opens the long line of courses. The main dishes are for example potatoes with Sauerkraut and mushrooms or carp fried in oil. The finale is rung in with a popular poppy seed strudel. Supposedly, the menu has twelve courses to recall the twelve disciples, but wealthy families may easily serve more. No matter what, one must try at least a small portion of every course, as on this holy night one should pay tribute to all fruits on earth. Christmas dinner in Poland can thus become an event lasting many hours, much to the regret of the children, as the giving of gifts (Bescherung only commences once the table has been cleared. One seat, which is symbolically laid out, remains empty: for the unexpected visitor who arrives from afar and is hungry, and who would then enjoy a sumptuous meal if ever he were to arrive.

The entire day before wigilia is decisive for the year to come, according to ancient superstition. For example, any loud or unfriendly word is avoided, as otherwise the next year will be marked by dispute and squabbling.

At least the Polish are convinced that the Polish Christmas carols (Weihnachslied), or the koledy, are the most beautiful in the world. The most well-known one beyond Polish borders is Lulajze Jezuniu, a lullaby of long revolving triple time which more recently inspired many Polish Jazz musicians and rock stars to produce funky interpretations. This positions them in the best of company: Frédéric (aka Fryderyk) Chopin (*1810 †1849) recalled the song during his Viennese exile in 1831 already, and cited a sentimental rendition in his rather powerful scherzo no. 1 (h-moll, op. 20).

Lullaby, dear baby Jesu

(1) Lullaby, little pearl, dear baby Jesu,
Lullaby, little pearl, dear baby sleeping;
Lullaby, little one, dear baby Jesu,
Mary is holding you, guarding and keeping.

(2) Close your eyes, little one, your tears to cover;
Close your eyes, little one, heavy with crying;
Calm your lips, little one, where joy should hover;
Resting in Mary's arms, hush all your sighing.

(3) Bring for the little man good things and
pleasant;
Bring for the little man every sweet berry;
Into the garden go where all is pleasant;
Mary will comfort Him keeping Him merry.

(4) Bread for His little mouth with golden butter -
Bread for His little mouth, a loaf to feed Him -
Put in His cradle now good bread and butter.
If He should wake from rest Mary will heed Him.

(5) Lullaby, lovely flower, beautiful angel;
Lullaby, lovely flower, lily, the fairest!
Lullaby, little one, beautiful angel,
Mary is holding you, rosebud, the rarest!

(6) Give to the little man, raisins delicious;
Give to the little man almonds to please Him;
Sweets from the little box, raisins delicious,
When Mary hears Him wake, she will appease Him.

(7) Lullaby, little love, star kindly twinkling;
Lullaby, little love, sun shining brightly;
Lullaby, little one, star kindly twinkling,
Mary is watching you, o, Sweet and Sprightly!

(English version by Marguerite Wilkinson)

Poland is famous for the ancient tradition of artful nativity scenes, the intricately detailed szopka. During the 13th century already this craftwork was brought to southern Poland by the Franciscan monks. In Krakow, crib builders developed this art into a true championship. Since 1937 they have been organising a major contest for cribs

(Krippe) every year as of the first Thursday in December. More than one hundred szopki vie for the title of the most beautiful crib. The most successful designs are then exhibited at the City’s History Museum, where by now more than 170 exhibits can be admired.

That the Polish have a sense of humour in spite of all Christian reverence can be seen, for example, on the statue of Mikolaj Kopernik (*1473 †1543) in Krakow: Every year, on the day of St. Nicholas (Nikolaus), the founder of modern astronomy is adorned with a red cap.

Mikolaj Kopernik (*1473 †1543)

 

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