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Schwarzhäupterhaus, Riga


Offizieller Name: Latvijas Republika – Hauptstadt: Riga – Lage / Location: 57° Nord 25° Ost – Fläche: 64.589 km². Bevölkerung: 2.306.306 (Juli 2004) – Kinder im bescherungspflichtigen Alter: 346.464 (15%), davon 177.223 Jungen und 169.241 Mädchen – Religionszugehörigkeit / Religious confession: lutheranisch, römisch-katholisch, russisch-orthodox – Muttersprache: Lettisch – Währung: 1 Lats = 100 Santims – EU-Beitritt: 2004 – Sitze im EU-Parlament: 9. Official designation: Republic of Latvia – Capital: Riga – Location: 57° North 25° East – Area: 64,589 km². Population: 2,306,306 (July 2004) – Number of children old enough to receive Christmas gifts: 346,464 (15%), of which 177,223 boys and 169,241 girls – Religious confession: Lutheran, Roman-Catholic, Russian-Orthodox – Native language: Latvian – Currency: 1 Lats = 100 Santims – Joined the EU: 2004 – Seats held in EU Parliament: 9.

Die Letten sind ein sehr traditionsbewusstes Volk. Mehrere Jahrzehnte sowjetischer Herrschaft haben es nicht vermocht, ihnen die traditionellen Weihnachtsbräuche ihrer Heimat auszutreiben – weder die christlichen Bräuche, noch die alt-lettischen Traditionen aus der heidnischen Frühgeschichte. Allerdings ist es manchmal nicht ganz leicht, die einen von den anderen zu unterscheiden.

Sehr originell ist zum Beispiel der lettische Weihnachtsschmuck. Die Zimmer werden in der Adventszeit mit lukturi, krigi und putni, verschiedenartigen Gestecken aus Stroh, Trockenblumen, Hobelspänen, Federn, Wacholderbeeren, farbigen Stofffetzen und bunten Wollfäden geschmückt. Aus diesen und anderen Bestandteilen fertigen die lettischen Frauen wahre Kunstwerke zum Aufstellen auf den Fensterbänken; aber auch zum Aufhängen an der Decke oder in den Türdurchgängen. Letztere sind die beliebten Puzuri, die wie Mobiles umeinander kreisen.

Einen uralten Brauch kann man am
Heiligen Abend in ländlichen Gegenden Lettlands bestaunen. Dann schleifen die stärksten Männer der Gegend einen gewaltigen Eichenstamm von Hof zu Hof. Auf dem letzten Gutshof wird der Stamm schließlich verbrannt, alle Beteiligten tanzen um das Feuer herum und singen alte lettische Volkslieder. Der brennende Balken soll vermutlich die Sonne symbolisieren, die in diesen dunklen Tagen des Jahres angefleht wird, mit ihrem Licht und ihrer Wärme zur Erde zurückzukehren. Durch das Umherwälzen und Herumschleifen des Stammes soll nach einer anderen Deutung alles Unglück und aller Unrat aufgesammelt werden – und beim anschließenden Abbrennen wird dann das ganze Übel für ein weiteres Jahr vernichtet.

Zum Traditionsbewusstsein gehört vielfach auch ein gewisser Aberglaube – so auch bei den Letten. Hier nur eine kleine Auswahl von abergläubischen Vorstellungen zum Weihnachtsfest, die in Lettland seit Urzeiten im Schwange sind:

Greife mit der Hand ins Erbsenglas und zähle die Erbsen dann paarweise ab. Wenn keine einzelne Erbse übrig bleibt, ist dir das Glück im nächsten Jahr hold. – Meide in der Heiligen Nacht den Stall. Andernfalls kannst du dich leicht in ein Tier verwandeln. – Am Heiligen Abend sollst du neunerlei Speisen essen, dann wird’s dir im neuen Jahr an nichts mangeln. – In der Weihnachtsnacht sollst du barfuß in den Garten gehen und die Obstbäume schütteln, dann tragen sie im kommenden Jahr reichlich Früchte. – Am Weihnachtstag sollst du dein Tagwerk in aller Frühe noch im Dunklen verrichten, dann wird im kommenden Jahr alle Arbeit gut gelingen. – Wenn du am Weihnachtsmorgen früh aufstehst, dann wirst du das ganze Jahr nicht verschlafen. – Male am Heiligen Abend Kreuze auf alle Türen, so werden die bösen Geister vertrieben und fern gehalten.

Wenn zu Weihnachten neun Speisen auf den Tisch kommen, dann sind es zu Silvester sogar zwölf – und jede einzelne hat eine besondere, magische Bedeutung:

Pirági (Speckbrötchen) – fördern die Häuslichkeit;
Äpfel – machen schön;
Bohnen – stärken die Fruchtbarkeit;
Erbsen – vertreiben die Tränen;
Rote Beete – erhitzt das Blut;
Sauerkraut – im alten Jahr essen, dann wird das Leben süß im neuen Jahr;
Brombeeren – machen die Wangen rot;
Rettich – vertreibt alle Krankheiten (vesels ká rutks, „gesund wie Rettich“);
Pfefferkuchen – erhalten das Leben;
Schweinerippen und -schnauze – sichern Kraft und Glück;
Fisch – sorgt für Reichtum (Fischschuppen in den Geldbeutel tun!);
Kräutertee mit Honig – vertreibt die bösen Geister.

Rezept Download:

„original-lettische Pirági“ (86,8 kb)

Das lettische Liedgut ist vielleicht eins der vielfältigsten, sicher aber das umfänglichste der Welt. Die Angaben über die Zahl der Dainas, das sind vierzeilige Volkslieder, schwanken zwischen einer und 1,5 Millionen – somit kommt auf jeden lettischen Haushalt mindestens ein solches Lied. Diese mündlich überlieferte Folklore war durch lange Jahrhunderte der Unterdrückung der Grundpfeiler des lettischen Selbstverständnisses und behandelt in enzyklopädischer Vollständigkeit alle Bereiche des Lebens: erstens das Dasein des Menschen „von der Wiege bis zur Bahre“, zweitens den Jahreslauf und seine Feste und drittens den kosmisch-mythologischen Bereich. Selbstverständlich gibt es auch viele Dainas zum Weihnachtsfest bzw. zur Wintersonnwende, die sogenannten
Ziemsvetki-Dainas.

Latvians are a very traditional people. Several decades under Soviet rule did not succeed in driving out their native Christmas traditions – neither Christian nor the ancient Latvian traditions from early pagan days. However, it is not always that easy to distinguish one from the other.

Latvian Christmas decoration, for example, is highly original. The rooms are adorned during the Advent season with lukturi, krigi and putni, different types of arrangements made of hay, dried flowers, shavings, feathers, juniper berries, coloured pieces of cloth and colourful threads of wool. From these and other items Latvian women create genuine works of art to be placed on their window-sills, but also to be suspended from the ceiling or door frames. The latter are the popular Puzuri, circling one another like mobiles.

One ancient custom can be admired on Christmas Eve (Heiligabend) in rural areas of Latvia. The strongest men in the vicinity drag a gigantic oak trunk from manor to manor. At the last manor, the trunk is burnt and everybody dances around the fire and sings old Latvian folk songs. The burning log is presumed to symbolise the sun which is invited during these dark days of the year to return, spreading light and warmth. The heaving and dragging of the trunk, according to another interpretation, is aimed at gathering all misfortune and refuse – and during the subsequent fire all evil is destroyed for a further year.

Traditional thinking frequently also includes a certain superstition – as is also the case for Latvians. Here a small selection of superstitious ideas for the Christmas festivities, which have been around in Latvia since ages past:

Reach into the glass with peas and count the peas in pairs. If no single pea remains, fortune will be yours next year. – Avoid the stables on Christmas Eve. Otherwise you may easily turn into an animal. – Eat nine foods on Christmas Eve and you will not lack anything in the New Year. – On Christmas Eve walk barefoot in the garden and shake the fruit trees, so they will carry plenty of fruit in the next year. – On Christmas Day do your day’s work early in the dark so that all work will be successful in the New Year. – If you rise early on Christmas day you will not oversleep next year. – Paint crosses onto all doors on Christmas Eve to drive out the evil spirits and keep them away.

If Christmas sees nine foods on the table, then New Year’s Eve will see twelve – and every single one of them has a special magical meaning:

Pirági (bacon rolls) – enhance domesticity;
Apples – make you beautiful;
Beans – strengthen fertility;
Peas – dispel the tears;
Beetroot – heats the blood;
Sauerkraut – eaten in the old year makes life
sweet in the new year;
Blackberries – make red cheeks;
Radish – dispels all illness (vesels ká rutks,
“as healthy as radish”);
Gingerbread – maintains life;
Pork ribs and snout – secure power and fortune;
Fish – ensure prosperity (put fish scales in the purse!);
Herbal tea with honey - dispels evil spirits.

Recipe Download:

„original-Latvian Pirági“ (86,8 kb)

Latvian songs are some of the most versatile, but surely the most comprehensive in the world. The details regarding the number of Dainas, which are four-versed folk songs, varies between one and 1.5 million; therefore, there is at least one of these songs for every Latvian household. This verbally conveyed folklore formed as a result of many centuries of suppression as the basic pillar of the Latvians’ conception of themselves and treats all areas of life with encyclopaedic accuracy: first the existence of man “from cradle to bier”, second the course of the year and its festivities and thirdly the cosmic-mythological realms. Naturally, there are also many Dainas about Christmas or the winter solstice (Wintersonnwende), called Ziemsvetki-Dainas.

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