DDR, Deutsche Demokratische Republik, von 1949 bis 1990 erster sozialistischer Staat auf deutschem Boden mit (ideologisch bedingt) gespanntem Verhältnis zum Weihnachtsfest. Dessen erstes Staatsoberhaupt Walter Ulbricht (* 1893 † 1973) spielte zunächst mit dem Gedanken, das Weihnachtsfest in der DDR ganz aus dem Verweis Kalender zu streichen. Nach seinen Vorstellungen sollte übergangsweise die Verweis Bescherung nicht mehr an Verweis Heiligabend, sondern am Neujahrsmorgen stattfinden. Dies gelang dank der tiefen Verwurzelung der Weihnachtsbräuche in der Klasse der Arbeiter und Bauern ebensowenig wie der Versuch, Stalins Geburtstag am 21. Dezember als höchsten Feiertag zu etablieren. Stattdessen mehrte das Weihnachtsfest Jahr für Jahr die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Versorgungslage in der DDR, zumal das heimlich empfangene Verweis Fernsehprogramm aus der BRD Neidgefühle gegenüber der kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft weckte. Vor diesem Hintergrund wirken Versuche, christliche Symbole umzubenennen, hilflos bis grotesk. So sollte der Weihnachtsengel zukünftig „Jahresend-Flügelfigur” heißen, die traditionsreichen Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge durften nur noch unter dem Namen „Kerzendrehtürme” verkauft werden.

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Unser Leser Hugo Plötzsch aus Brandenburg erinnert sich
(Mittwoch, 10.12.03):


Auch der Weihnachts- oder Verweis Christbaum sollte nach der Vorstellung der SED-Kulturfunktionäre einen neuen, atheistischen Namen erhalten: Schmuckbaum. Hierfür gab es sogar eine angeblich historisch verbürgte Erklärung. Ursprünglich stamme nämlich der Brauch, in der kalten Jahreszeit einen Baum in die gute Stube zu stellen und zu schmücken, von den Zünften ab und habe mit dem Christentum gar nichts zu tun gehabt. Als Attraktion vor allem für die Jüngsten sei er später zum „Kinderbaum” geworden. Und nur vor diesem ganz weltlichen Hintergrund habe ihn die Sowjetunion 1935 als Gabenbaum eingeführt. All diese Versuche einer Umdeutung haben nach meiner Beobachtung aber wenig gefruchtet: Wir konnten oder wollten uns an den Ausdruck „Schmuckbaum” nie gewöhnen.

 

GDR, German Democratic Republic, from 1949 to 1990 first socialist state on German territory with tense rapport to the Christmas festivities (due to ideological differences). Its first head of state, Walter Ulbricht (* 1893 † 1973) initially intended to eliminate Christmas fully from the Verweis Kalender in the GDR. According to his ideas, the Verweis Bescherung was no longer to take place on Christmas Eve (Verweis Heiligabend) for a period of transition, but on the morning of the New Year. This, thanks to the deep roots of Christmas customs in the working class and among peasants, was just as unsuccessful as the attempt to establish Stalin's birthday on December 21 as the highest public holiday. Instead, Christmas increased every year the dissatisfaction of the population as to the supply situation in the GDR, especially since the secretly received television broadcasting (Verweis Fernsehprogramm) shows from the FRG awakened a feeling of envy toward the capitalist affluent society. Against this background the attempts to rename Christian symbols seemed helpless, if not grotesque. The Christmas angel was to be named ”Year's End Figurine with Wings“, the traditional Christmas pyramids from the Erzgebirge could only be sold as ”Rotating Candle Towers“.

aktualisiert

Our reader Hugo Plötzsch from Brandenburg recalls
(Wednesday, 10.12.03):


Even the Verweis Christmas tree was to be given a new atheist name according to SED cultural officials: decoration tree. There was supposedly even an authentic historical explanation for this. Originally, the custom of setting up and decorating a tree during the cold season of the year in one's parlor originated from the guilds and had nothing to do with Christianity. Mainly as an attraction for the young ones it then later became the ”children's tree“. And only against this entirely worldly background did the Soviet Union introduce it in 1935 as a gift tree. However, it was my observation that all these attempts at giving a new interpretation were to no avail: We never could or wanted to get used to the expression ”decoration tree“.

 

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