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Die kleine Meerjungfrau,
Kopenhagen


Offizieller Name: Kongeriget Danmark / Königreich Dänemark Hauptstadt: Kopenhagen Lage: 56° Nord, 10° Ost Fläche: 43.094 km2 Bevölkerung: 5.413.392 (Juli 2004) Kinder im bescherungspflichtigen Alter: 1.021.308 (18.9%), davon 523.888 Jungen und 497.420 Mädchen Religionszugehörigkeit: evangelisch-lutheranisch 95%, protestantisch und römisch katholisch 3%, muslimisch 2% Muttersprache: Dänisch, Grönländisch Währung: 1 Dänische Krone = 100 Öre EU-Beitritt: 1973 Sitze im EU-Parlament: 14

Official designation: Kongeriget Danmark / Kingdom of Denmark Capital: Copenhagen Location: 56° North, 10° East Area: 43,094 km2 Population: 5,413,392 (July 2004) Number of children old enough to receive Christmas gifts: 1,021,308 (18.9%), of which 523,888 boys and 497,420 girls Religious confession: Lutheran 95%, Protestant and Roman Catholic 3%, Muslim 2% Native language: Danish, Greenlandic Currency: 1 Danish Crown = 100 øre Joined the EU: 1973 Seats held in EU parliament: 14


Wenn man in der Vorweihnachtszeit in einem dänischen Bauernhaus zu Besuch ist, dann kann es einem leicht passieren, dass man des Nachts von einem fein tönenden Geklappere aus der Küche oder Vorratsstube geweckt wird.

Weihnachtsnisse

Das sind die nissen, schelmische Kobolde, die in den Dachspeichern hausen und beinahe das ganze Jahr in tiefem Schlaf verbringen. Erst am 13. Dezember werden sie munter und erwarten dann von ihren menschlichen Mitbewohnern bis zum Jahreswechsel regelmäßige Beköstigung. Wer einen solchen nisse zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, erkennt ihn auf Anhieb an seiner markanten Kleidung: graue Wollsachen, ein rotes Wollmützchen, rote Wollstrümpfchen und weiße Holzschuhe – daher auch das fein tönende Geklappre. Es ist traditionell die Pflicht der Kinder, dafür zu sorgen, dass allabendlich das Schälchen mit dem Reispudding für die
nissen bereitsteht; übrigens durchaus eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn wehe, wenn diese Zwergwesen nicht satt werden! Dann können sie richtiggehend ungehalten werden, treiben ihren Schabernack bald auf die Spitze, bewerfen die Menschen mit Nüssen, sorgen dafür, dass der Christbaum vor der Bescherung alle Nadeln verliert, stibitzen die Geschenke der Kinder oder vertauschen sie und was dergleichen Ärgernisse mehr sind. Im schlimmsten Fall werden die nissen so böse, dass sie das ganze kommende Jahr nicht mehr zur Ruhe kommen. Die dänischen Kinder haben aber noch einen anderen guten Grund, die Schar der häuslichen Nissen bei Laune zu halten. Deren Aufgabe ist es nämlich, dem julemand, wie der Weihnachtsmann auf Dänisch heißt, den Weg ins Haus zu weisen und ihm beim Abladen der Geschenke von seinem Schlitten behilflich zu sein.

Dass sich die nissen ihren Wecker ausgerechnet auf den 13. Dezember gestellt haben, hängt mit dem Erscheinen der Heiligen Lucia an diesem Tag zusammen, das nicht nur in Schweden und Italien, sondern auch in Dänemark mit festlichen Umzügen begangen wird. Den glanzvollen Auftritt des schönen Mädchens mit der Kerzenkrone, das die Wintersonnwende ankündigt, wollen sich die neugierigen nissen keinesfalls entgehen lassen.

Der Tag vorHeiligabend hat in Dänemark einen eigenen Namen, lillejuleaften. Am 23. Dezember wird nämlich traditionell der Christbaum geschmückt. Die dänischen Kinder dürfen dabei keinesfalls zugegen sein. Die offizielle Begründung für diese Heimlichtuerei lautet: damit der Baum in seiner Pracht am Tag der Bescherung, dem eigentlichen juleaften, eine desto größere Überraschung für die Kleinen ist. Gerüchteweise ist aber auch zu hören, dass die Kinder nicht mitbekommen sollen, wie beim Dekorieren des Baumes reichlich dem gløgg, einem dänischen Glühwein zugesprochen wird – und welche teils eher unweihnachtlichen Folgen dies haben kann.

Rezept Download:
„Gløgg“. (60,7 kb)

Der Christbaumschmuck in Dänemark ist übrigens auf den ersten Blick als dänischer zu erkennen, sind doch rot-weiße Fähnchen ein unverzichtbarer Bestandteil der Dekoration. Daraus zu schließen, dass die Dänen zu Weihnachten besonders national gesinnt seien, das wäre aber doch etwas voreilig. Man sollte vielmehr neidlos anerkennen, dass sich die dänischen Nationalfarben der Dannebrog-Fähnchen einfach ausnehmend gut „machen“ in einer grünen Tanne oder Fichte. Der erste Christbaum soll in Dänemark zu Weihnachten 1808 aufgestellt worden sein. In den Märchen des berühmten dänischen Dichters Hans Christian Andersen (*1805 †1875) kommt er häufig vor, so in "Der Tannenbaum" (1846) und "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" (1848). Eine knappe, atmosphärisch dichte Beschreibung des traditionellen dänischen Weihnachtsfestes findet sich am Anfang des Andersen-Märchens Der Krüppel (1872):

Dänische Weihnachten von
HANS CHRISTIAN ANDERSEN:

Es war einmal ein alter Gutshof mit einer jungen, prachtvollen Gutsherrschaft. Reichtum und Segen besaßen sie, sich erfreuen wollten sie, und Gutes taten sie. Alle Menschen wollten sie so froh machen, wie sie selber waren.
Am Weihnachtsabend stand ein wunderschön geschmückter Christbaum in dem alten Rittersaal, wo das Feuer in den Kaminen brannte und um die alten Gemälde Tannenzweige aufgehängt waren. Hier versammelten sich die Herrschaft und die Gäste, es wurde gesungen und getanzt.
Am frühen Abend herrschte schon in der Leutestube Weihnachtsfreude. Auch hier stand ein großer Tannenbaum, dessen rote und weiße Lichter angezündet waren, an dem kleine Danebrogflaggen hingen, ausgeschnittene Schwäne und Fischernetze aus buntem Papier, mit süßen Leckereien gefüllt. Die armen Kinder aus dem Kirchspiel waren eingeladen; jedes hatte seine Mutter mit. Die sah nicht weiter auf den Baum, die sah auf die Weihnachtstische, wo Wollsachen und Leinen lagen, Kleiderstoff und Hosenstoff. Ja, dorthin sahen die Mütter und die erwachsenen Kinder, nur die Allerkleinsten streckten die Arme nach den Lichtern, dem Lametta und den Fahnen aus.
Diese ganze Versammlung kam am frühen Nachmittag, bekam Weihnachtsgrütze und Gänsebraten mit Rotkohl. Wenn man dann den Christbaum betrachtet hatte und die Gaben verteilt waren, bekam jeder ein Gläschen Punsch und Krapfen, mit Äpfeln gefüllt.

Das Festmahl ist natürlich auch in Dänemark ein Höhepunkt der Weihnachtsfeier, und auch hier werden zu diesem Anlass Gänse-, Enten- oder Schweinebraten bevorzugt. Eine Besonderheit ist die Zubereitung der Kartoffeln, die mit Zucker braun glasiert auf den Tisch kommen. Und auch der schon als Beruhigungsmittel für die nissen bekannte Reispudding hat hier seinen festen Platz, als Vorspeise namens julegrød oder als Dessert mit Sahne und heißen Kirschen, ris à l'amande genannt. In einer Portion dieser Vor- oder Nachspeise ist eine ganze Mandel versteckt. Der glückliche Finder erhält die sogenannte mandelgave, ein großes rosarotes Marzipanschwein – vorausgesetzt, er hat nicht zu hastig gegessen und die Mandel irrtümlich zerbissen: Das bringt Pech, und das Marzipanschwein wird unter den übrigen Gäste des Weihnachtsmahls aufgeteilt.

Wenn es allen köstlich mundet, sich die rechte weihnachtliche Stimmung eingestellt hat und vor allem die kleinen Familienmitglieder mit ihren Geschenken zufrieden sind, dann findet es der Däne ausgesprochen hyggeligt.



neu

Eine E-Mail erreichte uns von Herrn Rudnik aus Kassel:

„Ihre Weihnachtsseite ist sehr gelungen und auch der Blick ins europäische Ausland bringt selbst mir viele neue Informationen, obwohl ich schon ganz schön rumgekommen bin. Kennen Sie übrigens das Gedicht Die Weihnachtsgans von Heinz Erhardt, in dem es zu Anfang heißt: ,Tiefgefroren in der Truhe liegt die Gans aus Dänemark?‘ Haben Sie eine Erklärung für Erhardts dänische Gans?“

Ich habe mich schon immer gefragt, warum diese Gans ausgerechnet aus Dänemark kommt. Früher dachte ich, dänische Weihnachtsgänse seien vielleicht besonders zart. Als ich einmal über Weihnachten in Kopenhagen war, habe ich lange nach einem Restaurant suchen müssen, das Gans auf der Speisekarte hatte, und die war dann zu meiner Enttäuschung eher etwas mager. Leider kommt auch bei Ihnen unterm Stichwort Dänemark das weihnachtliche Gänseessen nur ganz beiläufig vor.“

Wir haben recherchiert und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Wenn es dem Humoristen Heinz Erhardt (*1909 † 1979) darum gegangen wäre, eine Weihnachtsgans von bekanntermaßen edler Herkunft zu bedichten, dann hätte er vermutlich eine Gans aus Polen in seine Tiefkühltruhe gelegt. In Polen werden schon seit vielen Jahren Gänse für den deutschen Markt gezüchtet. Seit das Verfüttern von Tiermehl an Mastvieh in Verruf gekommen ist, sind die polnischen Gänse beliebter als je zuvor, denn die polnischen Züchter haben für Tiermehl gar kein Geld und füttern ihr Federvieh mit Mais und Getreide vom eigenen Feld. Die Polen selbst essen übrigens zu Weihnachten keine Gans, sondern Karpfen ... Auch sonst ist in der Biographie des im lettischen Riga geborenen Heinz Erhardt keine besondere Beziehung zu Dänemark oder zu dänischen Gänsen nachweisbar. So hat sich der Dichter wohl allein um des Reimes willen für Dänemark entschieden, denn Polen reimt sich nicht auf Sarg. Hier das vollständige Gedicht:

Die Weihnachtsgans

von Heinz Erhardt

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorläufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Bein, Kopf und Gekröse
ruht sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?

Oder ist es nur zu kalt ihr?
Man sieht’s an der Gänsehaut ...
Nun, sie wird bestimmt nicht alt hier:
morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde
durch die ganze Wohnung dann!
Mach, dass gut der Braten werde –
morgen kommt der Weihnachtsmann.

 

 

When visiting a Danish farmhouse during the pre-Christmas season one may easily be awoken in the middle of the night by clattering coming from the kitchen or the larder. The nissen, mischievous goblins living in the attic who spend the largest part of the year fast asleep, are responsible for this. Only on December 13 do they awake and expect their fellow occupants to feed them regularly until the end of the year has arrived. Those who see one of these nisse for the first time will instantly recognise them by their distinct clothing: grey woollens, a red woollen hat and white wooden clogs – hence the fine clattering. Traditionally, it is the duty of the children to ensure that every evening a bowl of rice pudding is set aside for the nissen; a very responsible task indeed, beware if these little gnomes are left hungry! They may become genuinely displeased, playing their pranks, throwing nuts at people and making sure that the Christmas tree (Christbaum) loses all of its needles before the gifts are handed out, stealing the children’s Christmas gifts or swapping them, causing much more nuisance. In a worst case scenario, the nissen will get so mad that they refuse to calm down for the rest of the entire year. Danish children, however, have another good reason to keep the flock of homey nissen in good spirits. It is, after all, their duty to show the julemand – such is the Danish name of Father Christmas (Weihnachtsmann) – into the house and assist him in unloading his gifts from the sleigh.

That the nissen happened to have set their alarm for December 13 is because of Saint Lucia appearing on this day, who is not only worshipped with festive processions in Sweden (Schweden) and Italy(Italien), but also in Denmark. The magnificent appearance of the beautiful girl wearing a crown of candles and who announces winter solstice (Wintersonnwende) is something the curious nissen do not intend to miss.

The day before Christmas Eve bears its own name in Denmark, notably lillejuleaften(Heiligabend).

December 23 is traditionally the day on which the Christmas tree is decorated – an event which Danish children must not attend. The official reason for this secrecy is for the tree in all its glory to be an even greater surprise for the little ones on the day when the gifts are handed out, the actual juleaften. Rumour also has it, however, that children are not to pick up on the vast amounts of gløgg, or mulled Danish wine, being enjoyed – which may have rather un-Christmassy consequences.

Kopenhagen - Stadtansicht

Recipe Download:
„Gløgg“ . (60,7 kb)

The Christmas tree decoration (Christbaumschmuck) in Denmark can be spotted as Danish at first sight, since little red and white flags are an indispensable element of the decoration. To derive from this that the Danish are particularly nationalistic at Christmas would be a little rash. One should rather acknowledge without envy that the Danish national colours of the little Dannebrog flags simply look great on a green fir tree or spruce. The first Christmas tree was to have been set up in Denmark at Christmas in 1808. The fairy tales by the famous Danish writer Hans Christian Andersen (*1805 †1875), including, for example, The Fir Tree (1846) and The Little Match Girl (1848), frequently refer to a Christmas tree. A concise atmospheric description of traditional Danish Christmas festivities is found at the beginning of the Andersen tale The Cripple (1872):

Danish Christmas by HANS CHRISTIAN ANDERSEN:

There was an old manor house where a young, splendid family lived. They had riches and many blessings; they liked to enjoy themselves, and yet they did a lot of good. They wanted to make everybody happy, as happy as they themselves were.
On Christmas Eve a beautifully decorated Christmas tree stood in the large old hall, where fire burned in the fireplaces and fir branches were hung around the old paintings. Here gathered the family and their guests; here they sang and danced.
The Christmas festivities had already been well under way earlier in the evening in the servants’ quarters. Here also stood a large fir tree, with lighted red and white candles, small Danish flags, swans and fishing nets cut out of coloured paper and filled with candies and other sweets. The poor children from the parish had been invited, and each had its mother along. The mothers didn’t pay much attention to the Christmas tree, but looked rather at the Christmas table, where there lay woollen and linen cloths, for dresses and trousers. Yes, the mothers and the older children looked at this; only the smallest children stretched out their hands toward the candles, the tinsel, and the flags.
This whole gathering had come early in the afternoon; they had been served Christmas porridge and roasted goose (Gänsebraten) with red cabbage. Then when the Christmas tree had been looked over and the gifts distributed, each got a small glass of punch and apple-filled æbleskiver.

Naturally, the Christmas banquet is a highlight of the Christmas festivities even in Denmark, and on this occasion goose, duck or roast pork are preferred.
A speciality is sugar-glazed potatoes. And the famous tranquiliser of the nissen, rice pudding has its firm place as a starter named julegrød, or as a dessert with whipped cream and hot cherries called ris à l’amande. In one of the portions of this starter or dessert a whole almond is hidden. The lucky finder is given the so-called mandelgave, a large pink marzipan pig – provided he did not eat too hastily and accidentally crack the almond: This, on the other hand, is a sign of bad luck and the marzipan pig is divided among the remaining visitors of the Christmas meal.

Once everybody is enjoying the food, the right Christmas atmosphere has set in and the younger family members are happy with their gifts (Geschenke), Danes will consider this to be extremely hyggeligt.



neu

We have received an e-mail from Mr Rudnik in Kassel:

“Your Christmas page is very well done and the insight into other European countries has even provided me with a lot of new information, and I’ve seen a lot of the world. Do you happen to know the poem Die Weihnachtsgans (The Christmas Goose) by Heinz Erhardt, which starts: “Frozen solid in the freezer”. Do you have any explanation for Erhardt’s Danish goose?

I’ve often wondered why this goose came from Denmark of all places. I used to think that Danish Christmas geese may have been particularly tender. When I was in Copenhagen one Christmas, I had to search high and low for a restaurant that had goose on the menu, and to my disappointment it was rather lean. Unfortunately, you also mention the Christmas goose only incidentally under the headword of Denmark. ”

We have done some research and have come to the following results:

If the humorist Heinz Erhardt(b. 1909, d. 1979) had wanted to write poems to a Christmas goose of a well-known noble origin, then he would probably have put a goose from Poland in his freezer. Geese have been breed for the German market in Poland for many years. Since the feeding of meat and bone meal to fat stock has come into disrepute, Polish geese have been more popular than ever before, because Polish breeders don’t have the money for meat and bone meal, and feed their poultry with maize and grain from their own fields. The Poles themselves don’t eat goose for Christmas but carp. … Even in the biography of Heinz Erhardt, who was born in Riga, Latvia, no special relationship to Denmark or to Danish geese can be found. So the poet probably just decided on ‘Denmark’ solely to fit the rhyme scheme, because ‘Poland’ doesn’t rhyme with the word ‘coffin’ in German. Here is the complete poem:

The Christmas Goose

By Heinz Erhardt

Frozen solid in the freezer
The goose from Denmark lies
At the moment left in peace
In her white sarcophagus

With no leg, no head and mesentry
Beside the spinach she’s been put there.
Do you think she’s a bit angry
That we asked to have her butchered?

Or is it that she’s just too cold?
Her goose flesh gives the game away …
No, here she certainly won’t grow old
She’ll be defrosted the next day.

Mmm, what an aroma will then come
From the range throughout the house!
Make sure that the roast’s a good one
For on the morrow comes Santa Claus.

 

 

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